Vom Weinbauer zum Unternehmer

Schon  Thaler Josef Senior zeigte großes Interesse für das Veredelungswesen. Dies belegt sein äußerst erfolgreicher Abschluss (Diplom) im Jahre 1906 an der früher wie heute renommierten Landwirtschaftsschule St. Michael an der Etsch (San Michele all`Adige), damals dem österreichisches Kaiserreich zugehörig,  mit Ausrichtung Veredelung und Kultur der amerikanischen Reben . Ab dato veredelte Josef Thaler Senior alle Reben für den Eigenbedarf selbst, v.a. Reben von der Sorte Vernatsch.

 

In den Nachkriegsjahren des 2. Weltkrieges erfuhr die Landwirtschaft in Südtirol, so auch der Weinbau, einen großen Aufschwung. Daher begann sein Sohn, Josef Thaler Junior, mit zwei weiteren Teilhabern, im Jahre 1955 die Rebschule gewerblich zu betreiben.

 

Die Reben wurden fortan im Heimathaus in der Oswald von Wolkenstein-Straße in adaptierten Kellerräumlichkeiten veredelt und dann in die Rebschulen ausgepflanzt >eingeschult<. Über Jahrzehnte hinweg wurden die Rebschulen nur in Südtirol angepflanzt.

 

Bedingt durch die Zunahme des Weinbaues in Südtirol und im Trentino einerseits und durch die Erschließung neuer Absatzmärkte in Österreich und Deutschland andererseits musste die Pfropfrebenproduktion ständig gesteigert werden. Deshalb hatte das Betriebsgebäude in der O.v. Wolkenstein-Straße nicht mehr genügend Platz für die Verarbeitung.

 

So wurde im Jahre 1984 in der Talsohle von Tramin (Kalterer Moos) ein Teil des zum Verkauf stehenden Gebäudes der Landwirtschaftlichen Hauptgenossenschaft erworben und an die Anforderungen der neuen Zweckbestimmung angepasst, laufend verbessert und erneuert.

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Ende des 20. Jahrhunderts wurden auch neue Absatzmärkte in wärmeren Gebieten erschlossen <Reben werden dort den ganzen Winter über gepflanzt. Sie müssen also jeder Zeit zur Verfügung stehen bzw. abholbereit sein.> Bis dato wurden die Reben aber nach dem Ausschulen sortiert, geprüft und wieder in die Erde „ eingeschlagen“ (vergraben) und konnten erst nach dem Auftauen im Frühjahr aus der Erde ausgegraben, also entnommen werden. Die neue Situation erforderte eine neuerliche Anpassung, und so wurden 1988 zwei Kühlzellen errichtet und außerdem ein Treibhaus für das Vortreiben der Veredelungen aufgestellt.

 

Im Jahre 1999 wurden drei weitere Kühlzellen in Betrieb genommen.

 

Die größere Mechanisierung auch bei Sortierung und Verpackung erforderte 2004 schließlich den Bau eines größeren Verarbeitungsraumes.

 

Parallel zur Entwicklung der Landwirtschaft begann in Südtirol auch die Bodenknappheit. Es wurde immer schwieriger, freie Flächen für unsere Rebschulen zu finden bis im Jahre 2001 schließlich keine ausreichend großen Grundstücke mehr zur Verfügung standen und die Auslagerung in die Poebene erfolgte. Diese brachte aber auch Vorteile mit sich: Große Flächen mit zum Teil sehr fruchtbaren und tiefgründigen Böden stehen zur Verfügung, die Vegetationszeit ist länger und durch mehr Sonnenstunden wird die Ausreife der Pflanzen verbessert. Dies wiederum bedeutet weniger Probleme bei der Überwinterung in den Kühlzellen und besserer Anwuchs in den Weingärten.

 

Wenngleich sich die Rebschulen Thaler ständig erneuert und vergrößert haben, ist die Betriebsstrategie immer dieselbe geblieben: Egal ob bei der Veredelung und später beim Aussortieren (Vorort in Tramin) oder beim Einschulen in die Rebschule im Frühjahr, bei der Bearbeitung und regelmäßigen Kontrolle während der Vegetationszeit im Sommer und beim Ausschulen im Herbst ( alles in der Poebene), bei jedem delikaten Arbeitsschritt sind wir stets selber dabei. Nur so können wir für die Authentizität und Qualität unserer Reben bürgen, wie es wohl schon damals Josef Thaler Senior für jede einzelne seiner Reben gemacht haben wird.

 

Seit 1984 arbeitet auch Thaler Hansjörg − nach dem Abschluss der zweijährigen Handelsschule mit Ausrichtung Kontoristen, der Fachschule für Landwirtschaft (am Versuchszentrum Laimburg) und dem Erwerb der Reb- und Baumschullizenz−  als Juniorchef an der Seite seines Vaters.

 

Im Laufe der letzten Jahre hat Hansjörg Thaler immer mehr auf die Unterstützung und tatkräftige Mitarbeit seiner Kinder zählen können, allen voran Stefanie Thaler: Veredelung, Verkauf und Kundenbetreuung hat er ihr anvertraut. So war es für sie Auftrag und Selbstverständlichkeit zugleich, nach seinem allzu frühen Tod am 5. September 2015, die Leitung des Betriebes zu übernehmen.
Stefanie Thaler hat die Oberschule für Landwirtschaft  in Auer besucht, das Bachelorstudium an der UNI Innsbruck abgeschlossen und schließlich die Rebschullizenz für die Produktion und Vermarktung erworben.
 

Unser Sortiment (siehe Sortimentliste) umfasst Qualitätsklone der unterschiedlichsten Sorten, gängige und ausgefallene, vom Blauburgunder bis Zweigelt.

 

Allergrößte Aufmerksamkeit wird darauf gelegt, das Pflanzmaterial gesund zu halten. Deshalb werden die Schnittgärten und Rebschulen intensiv behandelt, um Vektoren von Krankheiten im Vorfeld zu eliminieren.

 

Bei aller Sorgfalt und Mühe dürfen wir nicht vergessen, dass Reben lebendes Material darstellen. Auch wenn der Rebschuler glaubt, alles im Griff zu haben, kann es unzählige Gründe dafür geben, warum das Pflanzgut optimale Qualität oder aber Mängel aufweist. Im Laufe der Jahre hat es demzufolge viele erfolgreiche Saisonen, aber auch einige Rückschläge gegeben.  Durch regelmäßigen Austausch mit Kunden, Berufskollegen und sogar mit den Züchterinstituten wurde versucht, den Problemen auf den Grund zu gehen, neue Verfahren wurden getestet und alte verfeinert. Dennoch bleibt in der Natur einiges unberechenbar.

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